Candidate Experience – den Bewerber als Kunden sehen

Candidate Experience – den Bewerber als Kunden sehen

Was ist Candidate Experience?

Der Begriff beschreibt die Erfahrungen eines Bewerbers mit einem Unternehmen: Es beginnt mit dem Interesse an einem bestimmten Unternehmen und reicht bis zur erfolgreichen Einarbeitung. Gute Erfahrungen beeinflusst potentielle Mitarbeiter positiv und schafft Vertrauen. Schlechte Erfahrungen hingegen schaden der Reputation des Arbeitgebers. Die negativen Erfahrungen multiplizieren sich in sozialen Netzwerken oder auf Arbeitgeberbewertungsportalen. Das Thema ist heutzutage sehr wichtig. Der Bewerber als Kunde.

Was ist die Candidate Journey?

Dieser Ausdruck bezeichnet alle Kontakte zwischen Bewerber und Unternehmen im Bewerbungsprozess. Die Gesamtheit dieser Kontaktpunkte und die individuellen Erfahrungen, die der Bewerber dabei sammelt, ist die Journey. Sie gliedert sich in verschiedene Phasen.

Phasen der Candidate Journey

  • Interesse. Die Erfahrungen des Bewerbers beginnen bereits lange vor der eigentlichen Bewerbung. Kandidaten erwarten heutzutage von ihrem Arbeitgeber soziales Engagement, verantwortungsvolle Aufgaben, eine transparente Unternehmenskultur und klare Werte. Eine positiv besetzte Marke ist unschätzbar.
  • Information. Das ist ein sehr wichtiger Schritt. Der Kandidat besucht die Webseite des Unternehmens, um sich zu orientieren. Wer ist der Arbeitgeber? Ist die Jobbeschreibung detailliert und die Anforderungen eindeutig? Welche Rahmenbedingungen hat der Bewerbungsprozess selbst? Klare Kommunikation empfinden Bewerber als großes Plus.
  • Bewerbung. Der nächste wichtige Schritt. Wie schafft ein Unternehmen hier einen positiven Eindruck? Die Bewerbungsvorgang muss einfach und übersichtlich sein. Ein Anmeldeformular, für das der Bewerber sich noch ein Passwort ausdenken muss, schreckt effektiv ab. Jeder Dritte sucht einen neuen Job via Tablet oder Smartphone. Die Informationen müssen – mobil optimiert – verfügbar sein. Ein persönlicher Ansprechpartner mit Telefonnummer und E-Mail drückt Wertschätzung aus. Mangelnde Kommunikation nach der Bewerbung und dem aktuellen Stand beurteilen Bewerber überwältigend negativ. Drei bis fünf Tage Zeit gilt als akzeptabel. Klare, verlässliche und prompte Kommunikation mit dem Unternehmen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
  • Auswahl Ein erfolgskritischer Touchpoint ist das Interview, wenn Bewerber und Arbeitgeber aufeinandertreffen Die Wertschätzung spielt eine große Rolle. Bewerber und Arbeitgeber sollten sich wie Partner verhalten, keine Verhörsituation, keine Jury. Ein Gespräch auf Augenhöhe unterstreicht die Wertschätzung.
  • Onboarding Jetzt muss der Bewerber in das Unternehmen aufgenommen und integriert werden. Dieser Prozess des “Ankommens” ist ein weiterer wichtiger Baustein für das verlässliches Fundament. Unternehmen müssen diese frühe Phase der Firmenzugehörigkeit im Blick haben und den neuen Mitarbeiter strukturiert begleiten.

In die Praxis umsetzen

Um Ihr Recruitingverfahren zu analysieren, nehmen Personalverantwortliche die Seite des Kandidaten ein. Sie analysieren den kompletten Bewerbungsablauf – aus Sicht des Bewerbers. Sämtliche Kontaktpunkte werden aufgestellt, die der Bewerber mit dem Unternehmen hat. Wo und wie wird er auf das Unternehmen aufmerksam? Wie ist die Webseite gestaltet? Findet man leicht die Karriereseite? Ist die Jobbeschreibung klar, das Anforderungsprofil, die Qualifikationen ausführlich und verständlich dargestellt? Schritt für Schritt analysiert das Unternehmen jede Etappe, deckt Fehlerquellen und Probleme auf und optimiert die Prozesse.

Beispiele

  1. ArbeitsvertragBewerber der neuen Generation schätzen Werte, wie Freiheit und Selbstverwirklichung sehr hoch ein. Was bedeutet dieser hohe Anspruch für das Unternehmen? Mitarbeiter wünschen sich Freiheitsgrade im Arbeitsalltag. Das ist eine Herausforderung für das Unternehmen, eine Abschätzung von Kosten und Risiken. Diesem Freiheitsstreben können Unternehmen im Arbeitsvertrag Rechnung tragen: Urlaubsplanung (längerer zusammenhängender Urlaub), längere Auszeiten (Sabbatical), die Möglichkeit eines Home-Office oder ein halbes Jahr eine vier-Tage-Woche. Diese Elemente lassen sich gezielt in Arbeitsverträge einbauen.
  2. Workspace & StyleEin wichtiger Faktor bei der Identifizierung mit dem Job. Im Rahmen der Digitalisierung werden Arbeits- und Projektgruppen kleiner und bewegter (fluider). Die Arbeitsplätze müssen so gestaltet werden, dass Arbeit in kleinen, beweglichen Gruppen möglich ist. Z.B. in Großraumbüros mit Gesprächsnischen und Gesprächsinseln.
  3. Sinn und EmotionenEines der Hauptthemen im Thema Recruiting. Finanzielle Triggerpunkte sind nicht immer ausschlaggebend. Viele Bewerber möchten gerne einen Beitrag zur Gesellschaft leisten, unsere Welt erhalten. Das ist ein Anreiz für Unternehmen, sich über ihre Visionen und Ziele klar zu werden – und klar zu kommunizieren. In diesem Zusammenhang ist Arbeitgeberimage und Bewertung in sozialen Medien sehr wichtig.
  4. DigitalisierungDigitalisierung ist für Unternehmen wesentlich, bei der Suche nach geeigneten Kandidaten. Zum einen, weil standardisierte, digitalisierte Prozesse sehr viel Zeit einsparen. Mitarbeiter können somit wieder kreative Aufgaben übernehmen. Ganz wichtig ist die Einbindung der Mitarbeiter in die Digitalisierung. Wie integriert ein Unternehmen Mitarbeiter in diesen Veränderungsprozess der Digitalisierung? Vor allem der Personalbereich muss eine Digitalisierung mittragen und unterstützen. Erstens schätzen Bewerber die Möglichkeit einer Online Bewerbung sehr. Zweitens verkürzt Digitalisierung – richtig eingesetzt – den Bewerbungsprozess. Ein weiterer Faktor für einen positiven Gesamteindruck.
  5. OnboardingDer Prozess des Onboarding beginnt mit der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages. Maßnahmen im sogenannten Preboarding können sein: eine Broschüre über das Leitbild, die Kultur und die Struktur des neuen Unternehmens. Kontaktdaten (Telefon und E-Mail) für die richtigen Ansprechpartner bei Fragen. Ein persönlich auf den neuen Mitarbeiter abgestimmter Einarbeitungsplan für die ersten Wochen (Inhalte, Termine, Meilensteine). Ein Pate als unterstützender Gesprächspartner und Berater zur Seite des neuen Mitarbeiters. Individuelle Bedürfnisse werden in spezifischen Absprachen bereits vorher berücksichtigt ( Wohnungssuche, Kindergartenplatz, geeignete Schule).

Warum ist eine gute Candidate Experience wichtig?

Die Beurteilung eines Unternehmens durch Bewerber gehört zum Themenfeld des Employer Branding. Der Begriff bezeichnet den Aufbau und die Pflege eines Unternehmens als Arbeitgebermarke. Employer Branding zielt übergreifend auf ein positives Image bei Arbeitgebern und Bewerbern ab. Genau wie Kunden die Waren oder den Service einer Firma beurteilen, so beurteilen Kandidaten bei einer Bewerbung ihren zukünftigen Arbeitgeber. Ihr Urteil betrifft letztendlich die Marke.

Gute Mitarbeiter sind das wichtigste und wertvollste Gut jedes Unternehmens. Recruiting erfolgt heutzutage in Konkurrenz – landesweit und weltweit – um die besten Mitarbeiter. Recruiter sind Vermarkter, sie müssen den Kandidaten überzeugen – von dem Unternehmen und der zu besetzenden Stelle. Eine schlechte Candidate Experience bedeutet, dass die Firma auf viele qualifizierte Kandidaten verzichten muss. Eine positive Erfahrung kann helfen, auf die Marke des Arbeitgebers aufmerksam und für weitere Kandidaten attraktiver zu machen.

Was können wir von Apple lernen?

Viele Kunden verbinden mit Apple schlichte, elegante und innovative Produkte. Bei der Eröffnung der Apple-Stores legte das Unternehmen großen Wert darauf, dass sich das Versprechen und die Mission der Marke in den Stores widerspiegelte. Ein einzigartiges stilvolles, klares Ambiente – egal welchen Store ein Kunde aufsucht.

Der Ablauf einer Bewerbung muss mit dem Versprechen einer Marke zusammenpassen. Den Bewerbungs- und Einstellungsprozess weiterzuentwickeln und zu verbessern ist ein ständiger Prozess. Die Arbeit lohnt sich. Eine positive Candidate Experience sicherzustellen, ist unschätzbar.

Klarheit, Wertschätzung, Ergebnisorientierung

Diese drei Punkte überzeugen – weltweit – Bewerber nachhaltig positiv.

  • Klarheit. Bewerber schätzen Klarheit und Einfachheit. Alle Abläufe, die Bewerber involvieren, sollen so einfach und klar wie möglich gestaltet sein.Ist eine Online Bewerbung möglich? Ist der Bewerbungsprozess sinnvoll und nachvollziehbar mit ausreichenden Informationen? Was bietet der Arbeitgeber, wie sieht der Bewerbungsprozess aus, an wen kann ich mich wenden? Lassen sich diese sachlichen Aspekte der Bewerbung schnell und reibungslos erledigen, ist der erste Schritt für erfolgreich gemeistert.
  • Wertschätzung. Die Eindrücke eines Kandidaten mit dem Unternehmen basieren auf persönlichem Kontakt mit Mitarbeitern. Kandidaten z.B. keine Antwort oder eine unfreundliche Absage zu geben, wird das Unternehmen (die Marke) negativ beeinflussen. Kommunikation sollte nach drei Prinzipien ablaufen: Schnell, persönlich, positiv – insbesondere das Gesprächsende.
  • Ergebnisorientierung. Bewerber suchen einen Job, stehen eventuell auch unter Zeitdruck. Eine wichtige Größe ist daher die Dauer der Bewerbung – von der Abgabe der Bewerbung bis zum Ergebnis. Je kürzer der Zeitraum, desto besser – maximal sechs Wochen. Sonst gehen (vielversprechende) Bewerber verloren, weil sie bei einem anderen Unternehmen unterschreiben. Verbesserte Abläufe und neue Technologien ersparen beiden Seiten wichtige Zeit. Eine gute Candidate Experience kreiert loyale Mitarbeiter, ein gutes Onboarding verlängert die (erfolgreiche) Zusammenarbeit.

Candidate journey ist die professionelle Begleitung eines Bewerbers durch das Unternehmen.

3 Kommentare
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  1. […] dem Erstkontakt mit dem Kandidaten und der Bewerbung, liegt die gesamte Candidate Experience. Stellen Sie sich vor, Sie erreichen passende Kandidaten in entsprechenden Medien. Sie wecken […]

  2. […] zusammen an welchen Stellen setzt man die KI im Recruitingprozess sinnvoll ein, ohne dass die Candidate Experience an persönlicher Interaktion mit den Kandidaten verliert? In diesem Artikel geben wir die einen […]

  3. […] Bewerbermanagementsystem strukturierst du deinen Recruitingprozess und stellst eine optimale Candidate Experience sicher. Wenn du ein zentrales System für alle HR Prozesse bevorzugst, bieten viele Systeme auch […]

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